Was Unternehmen bei der Mitarbeiterauswahl von den schönen Künsten lernen können

Organisation und Schauspiel: Gemeinsamkeiten

16. Oktober 2018 Blog, Neue Organisation, Agiles Management, Prozesse Katharina Meiler


Flexibel sein, Innovativ, Digital und Agil sein – das sind alles Anforderungen, mit denen sich Firmenlenker und -gestalter die letzten Jahre auseinandergesetzt haben. Anforderungen, die fantastisch klingen und gleichzeitig unglaublich schwierig sind in ihrer Umsetzung. Warum? Weil diese Worte unterschiedlichste Deutungen zulassen und auf unterschiedlichste Kulturen stoßen. Beschäftigt man sich mit diesen Themen und unterschiedlichsten Organisationen, so fällt auf, dass viele nach der Umsetzung dieser Worte streben und sie auch entsprechend planen. Am Ende aber ist vor allem den Menschen, die hier Teil der Pläne sind, gar nichts klar.

Warum ist das so? Schaut man in den Unternehmen genauer hin, fällt auf, dass zum Teil viele neue Rollen auf einmal eingeführt werden: es werden digitale Transformationsmanager, Customer Lifecycle Manager, Compliance – und Datenschutzreferenten, Agile Coaches, Innovationsmanager und Big Data Scientists als neue Funktionen in Unternehmen verankert. Dies folgt nicht selten einer Empfehlung und Erfahrungen von anderen Unternehmen oder auf der Basis der allgemeinen Marktentwicklungen. Die Hoffnung dabei ist, dass sich mit der Rolle auch entsprechende Aufgaben entwickeln werden. Fragt man Unternehmen, wie sie mit der agil digitalen Transformation umgehen, ist die Antwort häufig „Aktiv. Wir sind gerade dabei, neue Funktionen auszuprägen.“

Unsere Erfahrung ist, dass neue Rollen eine tatsächliche Daseinsberechtigung benötigen, ein Ziel, das sich aus einem Probieren und bereits aktivem Arbeiten an neuen und veränderten Aufgaben ergibt. Aus dem Zusammenspiel mehrerer bestehender Funktionen und dem Testen in neuen Gewässern schärft sich häufig das Bild für das, was es wirklich braucht. Das erfordert gerade in den genannten Fachdisziplinen spezielle Skills, die nicht nur in den rein faktischen Elementen liegen, sondern vor allem auch allgemeine und persönliche Fähigkeiten und Kompetenzbereiche ansprechen.

Es ist ein wenig wie in der Schauspielerei, bei der vom Regisseur von Probe zu Probe bis zur Premiere eine Gesamtkomposition zusammengesetzt wird. Es gibt ein Drehbuch, das sich mit dem Zusammenspiel der Individuen und dem Erleben auf der Bühne nach und nach aufbaut. Kurz vor Generalprobe wird klar, wie die einzelnen Rollen genau auf den Zuschauer wirken und welche Aufgaben sie wirklich erfüllen.

Ein Geheimnis dieser Gesamtkomposition liegt sicherlich in der Auswahl der Schauspieler. Worauf achtet der Regisseur bei der Auswahl seiner Künstler – was sind die Eigenschaften, die im Team dazu führen, dass gemeinsam eine tolle Darstellung für den Zuschauer herauskommt?

Kreativität und Wandlungsfähigkeit: Kreativität ist eine Kernkompetenz und Voraussetzung für die Entwicklung eigener Rolleninterpretationen und die Fähigkeit, sich stets zu wandeln. Kreativität schafft Neues mit Sinn, Nutzen und Zweck. Kreativ sein kann jeder. Kreativität entsteht von Beobachten, Hinterfragen, Zulassen von Neuem und sinnvollem Kombinieren von Gelerntem und neu Beobachtetem. Kreative Menschen regen ihr Umfeld an und geben Impulse.

Beobachtungsgenauigkeit und Lernfähigkeit: Gute Schauspieler nehmen kleine Unterschiede in Gestik, Mimik, Ausdrucksweise und Bewegung sehr genau wahr. Sie hören, lernen und interpretieren ihre Umwelt. Sie lernen ständig von ihrer Umwelt und sind wach. So können sie darauf eingehen, sich anpassen und verstehen, was es an Reaktion auf diese Umwelt benötigt.

Beherrschung und Konzentration: Klarheit, Bedachtheit und Fokus im Umgang mit anderen Schauspielern, aber auch Requisiten ist das, was auf den Zuschauer professionell wirkt. Schauspieler brauchen Fokus, um den nächsten Einsatz nicht zu verpassen und das Gelernte glaubwürdig zu transportieren.

Motivation und Durchhaltevermögen: Konsequenz und Durchhaltevermögen bei Schauspielern sind oft bewundernswert. Dies erfordert eine sehr hohe Motivation und Spaß sowie Begeisterung für die Sache.

Kommen Menschen mit diesen Kompetenzen zusammen, entsteht ein Raum, in dem sich die Positionen und zum Teil auch Rollenverteilungen noch schärfen, in dem erst im Zusammenspiel klar wird, wer welche Aufgabe übernimmt.

Ein Vergleich mit Teams in Unternehmen ist durchaus angebracht: gerade bei neuen Aufgaben ist nicht immer klar, wie diese am besten integriert und ausgefüllt werden können. Dazu braucht es Kreativität, Lernen, Konzentration und Motivation, diese bestmöglich zu gestalten. Die Kunst ist es, die richtigen Menschen, mit den richtigen Kompetenzen zur richtigen Aufgabe und Berufung zu bringen. Darin besteht die Aufgabe für Organisationen in Zukunft.