Warum die Notre Dame in Paris bereits im Mittelalter agil entwickelt wurde?

Ein Erfahrungsbericht aus der französischen Hauptstadt

22. Dezember 2017 Agiles Management, Produkte, Blog, News Markus Kohn


Neulich war ich für ein verlängertes Wochenende in Paris: Diese Stadt hat viele historische Sehenswürdigkeiten zu bieten und ein Besuch der "Notre Dame" durfte nicht fehlen. Die Kathedrale ist ein architektonisches Kunstwerk und dementsprechend gut besucht. Was mir dann aber in einem Seitengang ins Auge gefallen ist, hat meine Sichtweise auf die Kirche stark verändert. Auf einem unscheinbaren Schild waren die Vorgängerbauten und die vier Bauphasen der "Notre Dame" abgebildet. Was mir auffiel: Schon kurz nach Beginn ihrer über 200 jährigen Bauzeit konnte sie bereits als Kirche genutzt werden. Der Rest wurde Stück für Stück erweitert. Hatte man also im dunkelsten Mittelalter bereits den Gedanken des "minimum viable product" verinnerlicht? Warum fällt uns gerade dieser Ansatz in heutigen Projekten so schwer? Warum liefern gerade Großprojekt ihren Nutzen immer erst ganz zum Schluss?

Forschen wir weiter

In der Tat stellte sich dann in Gesprächen heraus, dass sehr viele Kirchen in Paris nach diesem Schema gebaut sind. Da die Bauzeit immer auch die Lebenszeit der Baumeister überschritt, war für jeden persönlich selten ein wirkliches Ende eines solchen Baus in Sicht. Zusätzlich wurden die meisten Kirchen auch von hinten, und somit "vom Altar aus" gebaut. Der eigentliche Zweck, die Nutzung als Gotteshaus, ist somit bereits kurz nach Beginn der Bauphase erfüllt. Architektonisch Interessierten fällt dann zum Teil auch der unterschiedliche Baustil der Kirchen auf. Einige Pariser Kirchen wurden auf der Rückseite im Baustil der Gotik begonnen und im Stile der Renaissance beendet. Hier darf die Frage gestattet sein, ob im Angesicht deutscher Großbaustellen in Hamburg, Berlin oder Stuttgart solche optischen Ungereimtheiten zu verschmerzen sind, wenn dafür vielleicht schon die erste Geige gespielt, der erste Flieger gelandet und der erste Zug abgefahren ist.

Was können wir daraus mitnehmen?

Behalten wir bei unserer Arbeit stets die wichtigen Dinge im Auge. Gerade agile Herangehensweisen, ob nun Projektmanagement oder die agile Strategiearbeit, können uns hierbei sehr gut unterstützen. Wir fokussieren uns auf wenige, wichtige Themen, setzen diese stringent um und erweitern in iterativen Zyklen. Übernehmen wir doch einige der Tugenden der alten Baumeister von vor nunmehr fast 1000 Jahren. Dann können wir auch entscheiden, ob immer die "Notre Dame" nötig ist, oder vielleicht auch ein etwas kleineres Modell nach einem Bruchteil der Bauzeit bereits unsere Bedürfnisse erfüllt. Wie auch die "Notre Dame" benötigt jedes Vorhaben stabile Säulen. Im Falle agilen Vorgehens sind das Transparenz, Überprüfung und Adaption.

Denken Sie also beim nächsten Projektplan oder dem nächsten Sprint an den Kernnutzen ihrer Unternehmung und vielleicht auch an Paris. Lassen Sie sich gerne von Process Consulting dabei unterstützen, Vorhaben mit großartiger Architektur umzusetzen. Hier gibt es mehr von uns zum agilen Management.