STORY TELLING: „INFORMELLER WISSENSTRANSFER IN UNTERNEHMEN“

03. Januar 2019 Blog, Neue Organisation, Prozesse Maximilian Krieglmeyer


Wer kennt das nicht: Neues Unternehmen – viele Informationen zur Einarbeitung. Durch die Fülle wird vieles nicht sofort dauerhaft gespeichert, wieder vergessen oder von weiteren einströmenden Informationen verdrängt. Zudem ist das reine Lesen anstrengend und ermüdend. Mir erging es nicht anders, als ich neu zum Process Team stieß. So entstand oft erst durch Gespräche mit Kollegen und deren Erläuterungen bei mir ein komplettes Bild sowie Verständnis der Zusammenhänge - schnell und auf kurzem Weg.
In meinem ersten Kundenprojekt war das natürlich noch mehr der Fall. Ich wurde zwar ins „kalte Wasser geworfen“, aber habe in kürzester Zeit enorm viel Information optimal aufgenommen und habe vom praktischen Einsatz und direkter Umsetzung vor Ort profitiert.

Wieso ist das aber so? Wenn mir nur Fakten mitgeteilt werden, kann sich diese mein menschliches Gehirn nur schwierig merken. Wird daraus aber eine Geschichte, wie beim Storytelling, verbildlicht sich dies das Gehirnich kann es mir vorstellen und verinnerlichen. Das mag von Person zu Person unterschiedlich ausgeprägt sein, aber so gut wie jeder hat diese Situation sicher schon erlebt Informationen effektiver aufgenommen.

Beim Gedächtnis-Training, mit dem Ziel sich so viele Dinge wie möglich in einer bestimmen Reihenfolge zu merken, arbeitet man am besten ebenfalls mit einer Story. Eine Möglichkeit ist z.B. im Geiste durch einen Raum und allen Gegenständen vorbei zu wandern. Noch besser funktioniert das mit eigenen Erlebnissen an bestimmten Orten. Wer dies einmal probiert hat, wird sehr schnell feststellen, dass es wirklich funktioniert und man dabei gleichzeitig auch noch das Gedächtnis trainieren kann.

Story Telling selbst ist Mitte der 90ger Jahre am M.I.T. entstanden, um innovative Ideen zu veranschaulichen und in den Vordergrund zu rücken. Dabei wird ein konkretes Problem im Unternehmen eingegrenzt, das näher beleuchtet werden soll. Wichtig ist dabei die Offenheit z.B. für potenzielle Kostentreiber, die von diesem Problem verursacht werden. Ist das Themengebiet eingegrenzt, werden Interviews mit den betroffenen Mitarbeitern geführt. Hierbei wird das Problem durch unterschiedliche Perspektiven der involvierten Mitarbeiter durchleuchtet – das betrifft ebenso den Projektmitarbeiter wie den Praktikanten. Die Interviews werden im Nachgang zu erzählten Erfahrungsgeschichten aufgearbeitet. Dadurch ist es möglich, dass die einzelnen Situationen für eine Lessons Learned oder Best Practice anschaulicher und leichter nachvollziehbar dargestellt werden.

Geht es z.B. darum sein Geschäftsfeld neu zu erfinden oder zu erweitern, ist es besonders wichtig, wer meine Kunden sind oder welche Kunden ich ansprechen will. Um dies herauszufinden, ist es zwingend notwendig Personas zu kreieren, auf die man sich beziehen will. Um aber ein Bild von den Personas zu bekommen, erzählt man am besten eine Geschichte zu jeder einzelnen, die den Charakter beschreiben anstatt nur eine Definition zu schaffen. Das ermöglicht es allen besser, sich in die Personas hinein zu versetzen und an den Notwendigkeiten, diese zufrieden zu stellen, zu arbeiten.

Wir bei Process Management Consulting starteten z.B. Anfang dieses Jahres das Projekt „Coole Schule“. Dabei geht es um Wissensaustausch und -transfer unter Kollegen. Es werden nicht einfach Präsentationen an einem zentralen Ort abgelegt, sondern es finden Online-Präsentationen statt, die parallel aufgezeichnet werden. Dadurch haben Kollegen, die nicht teilnehmen können, oder so wie ich, zu einem späteren Zeitpunkt zum Process Team gestoßen sind, die Möglichkeit sich die Videos anzuschauen und Inhalte anhand von Folien erklärt zu bekommen.

Allein den Inhalt einer Folie wiederzugeben, reicht nicht aus. Die Technik spielt eine große Rolle. Der Zuschauer muss wie bei einer Geschichte aufgeweckt und mitgenommen werden, sich bildlich wirklich in die Lage versetzen können. Der Mensch ist dabei recht einfach gestrickt. Eine Geschichte braucht für ihn einen Spannungsbogen und einen Helden. Dinge die gut laufen werden unterbewertet, aber Dinge die schlecht laufen, werden überbewertet. Andy Grove ein Mitbegründer von Intel sagte einmal: „nur die Paranoiden überleben“.

Weitere Möglichkeiten, um im Unternehmen informellen Wissenstransfer zu fördern sind Plauderecken, Kaffeeküchen oder Lernräumen. Auch Experimentierräume helfen Unternehmen, Mitarbeiter zu unterstützen ihre Ideen ausarbeiten zu können. Führungskräfte sollten ihre Vorbildfunktion ernst nehmen und den freien Austausch von Kollegen im Teammeeting nicht von vornherein unterbinden und durch die Agenda galoppieren. Einem gesunden Flurtalk sollte man freien Lauf lassen. Auch wenn dabei oft Privates besprochen wird, entstehen nebenbei oftmals die besten Ideen. Ein Austausch mit Kollegen in der Kaffeeküche, die abseits des eigenen Themas Ideen mit einbringen, helfen Blockaden und Probleme zu lösen.

Manchmal kommt man auch nach längerem konzentrierten Arbeiten an einem komplexen Thema einfach nicht weiter. Aufstehen, etwas bewegen und sich ablenken hilft, um sich danach - frei im Kopf – wieder in seine Arbeit zu stürzen!