#NOBLOCKCHAIN – Trend vs. echtem Nutzenwert

Ist hier in den vergangenen Jahren zu Unrecht ein Technologietrend entstanden? Gibt es überhaupt echte Anwendungsfälle?

16. November 2018 Markus Kohn


Die Blockchain ist aktuell in aller Munde und nimmt in der Presselandschaft einen hohen Stellenwert ein. Ist hier in den vergangenen Jahren zu Unrecht ein Technologietrend entstanden? Gibt es überhaupt echte Anwendungsfälle?

Der Hype um die Blockchain sollte ein Anstoß sein, sich einmal explizit kritisch zu nähern. Die Historie der Blockchain bzw. erste Überlegungen reichen bereits einige Jahrzehnte zurück und das legendäre Whitepaper zum Bitcoin von Satoshi Nakamoto feiert dieses Jahr seinen zehnten Geburtstag. Trotz dessen gibt es bis heute keine nennenswerten Anwendungsfälle, die auf der Blockchain-Technologie basieren.

Getrieben wurde der Trend in den letzten Monaten vor allem durch den raketenhaften Aufstieg und zwischenzeitlichen Fall der Kryptowährung Bitcoin. Diese Volatilität wurde jedoch durch starke Spekulation im Bitcoinmarkt verursacht und steht in keinem Zusammenhang mit der zugrunde liegenden Blockchain-Technologie. In der öffentlichen Wahrnehmung wird allerdings selten zwischen der Blockchain als Technologie und Kryptowährungen unterschieden.

Trotz der Versprechungen einiger strenger Verfechter der Blockchain, kurzfristig beispielsweise den Finanzsektor zu disruptieren, finden außerhalb von Spekulation auf Basis von einer Blockchain-Technologie keine Finanztransaktionen statt, die die Größenordnung von echtem wirtschaftlichen Einfluss erreichen. Selbst wenn wir somit die in der Blockchain Community diskutierten, technischen Herausforderungen wie Ressourcenverbrauch und mangelnde Verarbeitungsgeschwindigkeit außen vorlassen, sind am Markt keine echten Nutzenversprechen zu finden.

In einem Artikel der ETH Zürich diskutieren Arthur Gervais und Karl Wüst (2018: Do you need a Blockchain?) noch einmal grundsätzlich mögliche Problemstellungen, die durch Blockchain-Technologie gelöst werden können. Das Ergebnis der Studie: Die Technologie eignet sich ausschließlich für hoch spezialisierte, dedizierte Anwendungsfälle und ist für die meisten Aufgaben deutlich zu komplex im Vergleich zu anderen Technologien. Als Basis für technologische Entscheidungen sollten Anforderungen an die zu entwickelnden Applikationen, Annahmen über die Vertrauensstellungen der einzelnen Marktpartner und die erforderliche Transaktionsgeschwindigkeit einbezogen werden. In der Studie wird auch noch ein praktisches Flowchart mitgeliefert, auf dessen Basis die Entscheidung für oder gegen eine Blockchain mit einfachen Fragen getroffen werden kann.

Diese, ausschließlich kritische, Betrachtung mit der Blockchain hat nicht den Anspruch auf Vollständigkeit der Argumente, sondern soll bewusst dem aktuellen Trend entgegenstehen. Die Technologie und der Hype darum sollten definitiv als Quelle für innovative Ideen und disruptive Geschäftsmodelle im Auge behalten werden. Allerdings ist jede technologische Entwicklung als Werkzeug und nicht zum Selbstzweck zu betrachten. Der stringente Fokus auf echte Nutzenversprechen und die Arbeit mit den eigenen Kunden ist gerade in Zeiten starken Wandels ein dauerhafter Garant für Unternehmenserfolg.