HOPE Cape Town – ein Beispiel für agiles Handeln

30. März 2017 Agiles Management Pfarrer Stefan Hippler (Vorsitzender des HOPE Cape Town Trust)


Soziales Engagement ist “in” für Firmen – und auch Process Consulting unterstützt seit vielen Jahren HOPE Cape Town in Südafrika. lange bevor es „mainstream“ war.

Die Arbeit von HOPE Cape Town

HOPE Cape Town ist eine südafrikanische gemeinnützige Organisation, die sich um Kinder und Familien kümmert, die von HIV, Aids, TB oder damit zusammenhängenden Problemen betroffen sind. Gegründet wurde HOPE von dem katholischen Pfarrer Stefan Hippler und der Kinderärztin Prof. Dr. Monika Brink. Diese Organisation versucht holistisch dort Hilfe zu leisten, wo der südafrikanische Staat versagt oder noch keine Kapazitäten hat.

HOPE Cape Town ist angesiedelt am Tygerberg Kinderkrankenhaus, dem Lehrkrankenhaus der Universität Stellenbosch und damit wird bereits eine Besonderheit deutlich, die HOPE Cape Town von anderen Organisationen unterscheidet: das Projekt ist eine Schnittstelle zwischen akademischer Forschung und „grass root Outreach“- Township und Akademie assistieren Hand in Hand den Menschen am Rande der Gesellschaft, die Hilfe notwendig haben. Und dies geschieht ganz holistisch in den verschiedensten Bereichen.

Im Kinderkrankenhaus koordinieren zwei der 36 MitarbeiterInnen von HOPE Cape Town die Nachsorge betroffener Kinder, die nach einem stationären Aufenthalt wieder nach Hause geschickt werden:  Nachsorgetermine, Medikamenteneinnahme, soziale Situation abklären und möglichst dafür Sorge tragen, dass die kleinen Patienten nicht wieder ins Krankenhaus zurückkehren müssen. HOPE Cape Town beschäftigt drei Ärzte, die sich durch Verträge mit Krankenhaus und Bundesland speziell der Therapie von Kindern widmen. In verschiedensten Township-Klinken, wo spezielle Sprechstunden für die kleinen Patienten angesetzt sind, sind es die HOPE Ärzte, die sich um die Kinder kümmern. HIV-Therapie für kleine Patienten ist wesentlich komplizierter als für Erwachsene und es gibt nur wenige Ärzte mit dieser Spezialkenntnis.

In den Entbindungsstationen des Tygerberg Erwachsenenkrankenhaus hat HOPE Cape Town die Aufgabe, jede zur Entbindung kommende Mutter erneut auf HIV zu testen – mehr als 650 Geburten pro Monat heisst 650 Beratungen, Tests und Abklärung von sozialen Verhältnissen sowie der Start der antiretroviralen Behandlung vor der Geburt, falls die Mutter positiv ist. Ziel ist es, die Übertragung Mutter zu Kind auf unter 1% zu drücken.

Bis zu 25 HOPE GesundheitsarbeiterInnen arbeiten in den verschiedensten Township-Kliniken. Sie gehören zum professionellen Team und neben ihren Aufgaben in der Klinik gehört die Vernetzung mit den grassroot Projekten in dem jeweiligen Township dazu. HOPE GesundheitsarbeiterInnen absolvieren ein Fernstudium der Universität von Südafrika und haben monatliche Fortbildung. Ihre Arbeit kompletiert sozusagen eine Art Netzwerk, das von den kleinen Projekten im Township vor Ort über die Township Klink bis zum akademischen Krankenhaus und dann zur Universität Stellenbosch reicht.

HOPE Cape Town arbeitet holistisch – Sozialarbeiterin und Ernährungsberaterin gehören zum Team, Studenten von der Fachhochschule Niederrhein - Fachbereich Ernährung - kommen über HOPE Cape Town nach Südafrika, um über Armut zu lernen und gleichzeitig die Bevölkerung über gute Ernährung aufzuklären.
Antiretrovirale Therapie ist inzwischen Standard in Südafrika – HOPE Cape Town hatte bereits 2001, also drei Jahre bevor der Staat diese Therapie den Patienten zur Verfügung stellte, ein Behandlungsprogramm. Inzwischen stellt das Projekt mit einem Notfallfond Medikation überbrückungsweise zur Verfügung, wenn die staatlichen Stellen noch nicht in der Lage sind diese anzubieten.

Aufklärung, Sexualerziehung, Familienplanung, Suppenküche, Behandlung, Community outreach sind weitere Stichworte der Arbeit von HOPE Cape Town. Hinzu kommen eigene kleine Forschungsprojekte und die Kooperation mit internationalen Partnern wie der Deutschen Aidsstiftung und HOPE Cape Town USA in Dallas/Texas.

Aus der Not geboren - Agilität ist das Zauberwort

HOPE Cape Town ist nicht am grünen Tisch entstanden – am Anfang stand die Not eines Kinderkrankenhauses im Jahre 1999, das von HIV – positiven Kindern überschwemmt wurde. Während in Europa und den USA Patienten mit antiretroviraler Medikation behandelt wurden, starben in Südafrika die Menschen unbehandelt – ja, die damalige Gesundheitsministerin Manto Tschabalala Msimang „heilte“ die kranken Menschen mit Roter Beete und Süßkartoffel und Präsident Thabor Mbeki verstand den Zusammenhang zwischen HIV und AIDS nicht. Und von Anfang an war agiles Management in der Situation gefordert –in diesem Zusammenhang hieß das, ein Krankenhaus und eine lokale Regierung davon überzeugen, dass eine Station für Infektionskrankheiten mit dem Schwerpunkt HIV Top Priority hatte.
Nach dem Entstehen dieser Station im Jahre 2001 war Behandlung das nächste große Ziel – sicher stellen, dass Kinder überlebten und eine Chance auf ein normales Leben haben durften.

HOPE Cape Town hat sich dann folgerichtig immer als Lückenfüller betätigt und geschaut, wo die staatliche Sorge Lücken aufwies. „Filling the gap“ wurde zu einer Standardformulierung im Projekt und als 2004 die staatlichen Gesundheitsbehörden antiretrovirale Therapie anboten, wurden nach und nach alle kleinen HOPE Patienten in das staatliche Programm hineingeführt – allerdings langsam und mit Augenmaß – erst 2007 wurder der letzte Patient in die staatliche Fürsorge entlassen.
Und sofort taten sich neue Felder auf: Resistenzen traten vermehrt auf und da der Staat die Ressourcen für Resistenztests nicht hatte, übernahm HOPE Cape Town für viele Patienten die Kosten und stellte sicher, dass damit eine angemessene Behandlung ermöglicht wurde. Was nützte es, einen Patienten mit Mitteln zu behandelen, gegen die er bereits resistent ist? Durch das Testen wurden therapeutische Umwege und Verschwendung von Resourcen verhindert.

2016 haben die staatlichen Gesundheitsbehörden die Kosten für Resistenztests übernommen, und HOPE Cape Town konnte sich nun Sonderaufgaben widmen: Frühkindliche Entwicklung ist ein Beispiel – HIV-positive Kinder entwickeln sich langsamer und zeigen durchaus Lernschwierigkeiten – viele Mütter sind selber noch sehr jung und selbst noch in der Adoleszenz – oder die Frage, wie man Kinder stimuliert, Schwangere auf das Baby vorbereitet und dafür Sorge trägt, das möglichst optimale Bedingungen in einem schwierigen Umfeld mit Armut, Arbeitslosigkeit, schlechter Schulbildung und Krankheit zu einem guten Start der Neugeborenen führt.

Ein sogenanntes „backoffice“ als Schnittschnelle zwischen Management und den vor Ort Arbeitenden sorgt für eine konstante Reflexion der Arbeit, damit es zu keinen Doppelungen zwischen NGO und Staat kommt und Ressourcen sinnvoll und effektiv eingesetzt werden können.

Resilienz als deutsche Zutat

Das Projekt wurde von Anfang an auf der Grundlage konzipiert, dass Rücklagen geschaffen werden müssen, um Krisenzeiten zu überleben, wo Spendenfluss oder Wechselkurs zu finanziellen Engpässen führen könnte. Auch ist Südafrika nicht für eine gute Finanzplanung bekannt.  In essentiellen Bereichen wurden Spender gebeten, sich auf drei Jahre zu verpflichten, um Planungssicherheit zu gewähren. Der HOPE Cape Town Trust wurde 2006 ins Leben gerufen, um sich um die Finanzabsicherung des Projektes HOPE Cape Town zu kümmern. Ultimatives Ziel ist es, so viele Ressourcen zu akkumulieren neben den bestehenden Ausgaben, dass das Projekt in seinen Grundzügen von Kapitalerträgen leben kann. Das gäbe die ideale Sicherheit von der alle NGO’s träumen.

Wer nicht nur mitträumen will, sondern das Projekt HOPE Cape Town unterstützen will kann sich auf der Webseite www.hopecapetown.com weiter kundig machen. Spenden in Deutschland sind steuerabzugsfähig