Digitalisierung – und nun, wie geht es weiter?

Wie findet man die passende Orientierung für die Ausrichtung des Unternehmens und die operative Umsetzung von digitalen Lösungen?

19. Mai 2020 Blog, Prozesse, Neue Organisation, Agiles Management, Digitalisierung Karsten Knechtel


Vor seinem Bilderbuch sitzt ein kleiner Junge und will die Zeichnung, die er in dem Buch sieht mit einem Fingerwisch von Daumen und Zeigefinger auf der Seite vergrößern. So sieht das Zeitalter der Digitalisierung aus. Was wird der Junge alles als normale Wirklichkeit empfinden, wenn er erwachsen ist? Wie werden die digitalen Technologien, die seine Beziehung zur Welt von Kindertagen an prägten, sein Bewusstsein beeinflusst haben? Was ist für die Digital Natives naturgegeben? Wie real ist Virtuelles?

Die digitale Revolution hat die Welt auf den Kopf gestellt, nicht nur technisch und ökonomisch, sie wirkt auch kulturell – mental, seelisch, intellektuell. Ob sich jetzt tatsächlich die größte Transformation unserer bisherigen menschlichen Entwicklung abspielt, werden spätere Generationen besser beurteilen können.

Aber wie geht es weiter und wie findet man die passende Orientierung für die Ausrichtung des Unternehmens und die operative Umsetzung von digitalen Lösungen? Seit Jahren empfiehlt es sich, nachdem der Digitalisierungsprozess initiiert wurde, kontinuierlich per „Digital-Radar“ auf dem neuesten Stand zu bleiben und die jeweilige Operationalisierung von neuen Trends / Technologien zum richtigen Zeitpunkt im Unternehmen anzustoßen. Unter „Digital-Radar“ verstehen wir einen interdisziplinär besetzten Teilnehmerkreis des Unternehmens, der sich zeitlich verteilt über das Jahr zum Austausch trifft, Neuigkeiten der Digitalisierung diskutiert und Empfehlungen für Umsetzungen im Unternehmen erarbeitet.

Dabei stellt sich natürlich die Frage, nach welchen Kriterien Empfehlungen für die Umsetzung zu geben sind?

Wir sehen die Operationalisierung der Digitalisierung im Spannungsdreieck von:

·       Nachhaltigkeit

·       Wirtschaftlichkeit

·       Resilienz

Dieses Spannungsdreieck hilft bei der Abwägung von Lösungen im Rahmen der Digitalisierung, denn nur die Wirtschaftlichkeit ist es nicht!

Es lohnt sich dafür ein einheitliches Verständnis für diese drei Begriffe zu vereinbaren und möglichst mit Kennzahlen des Unternehmens zu unterlegen.

Nachhaltigkeit ist ein Handlungsprinzip zur Ressourcen-Nutzung, bei dem eine dauerhafte Bedürfnisbefriedigung durch die Bewahrung der natürlichen Regenerationsfähigkeit der beteiligten Systeme (vor allem von Lebewesen und Ökosystemen) gewährleistet werden soll.“ Wikipedia

Wirtschaftlichkeit ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, deren Maß Effizienz ist. Sie beschreibt das Verhältnis zwischen dem erreichten Erfolg und dem dafür erforderlichen Aufwand (Kosten).“ Wikipedia

 „Resilienz - aktuelle Definitionen beziehen sich auf die Fähigkeit eines Ökosystems, angesichts von ökologischen Störungen seine grundlegende Organisationsweise zu erhalten, anstatt in einen qualitativ anderen Systemzustand überzugehen.“ Wikipedia

In der Abwägung bzw. Priorisierung von Umsetzungen können hierdurch klarere Entscheidungen getroffen werden. Dazu gilt es die Kriterien Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Resilienz am konkreten Fall zu bewerten und daraus eine Empfehlung zu erarbeiten. Dafür wollen wir Ihnen im Folgenden ein Beispiel geben.

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Beispiel Autonomes Fahren im öffentlichen Nahverkehr

Nehmen wir als Beispiel den Einsatz von Autonomem Fahren für öffentliche Verkehrsmittel in einem Verkehrsbetrieb. Sicherlich keine einfache Entscheidung, da eine ganze Kette von Folgeentscheidungen und Aktivitäten daran hängt.

Nachhaltigkeit

Wie lässt sich die Nachhaltigkeit belegen? Das RMI (Rocky Mountain Institute) unterstützt und forscht für Nachhaltigkeit in den USA. Deren Studien unterstützen die Idee von Sicherheit und Umweltschutz beim Autonomen Fahren. Das RMI ist eine NGO aus den USA, die die Nachhaltigkeit fördern möchte. Nach Analyse ihrer Daten kommen sie zu dem Schluss, dass autonome Fahrzeuge nicht nur die Sicherheit erhöhen, sondern auch die Effizienz des Energieverbrauchs, was sich wiederum positiv auf die Umwelt auswirkt. Das Besondere, so die Studie, liegt in der Vernetzung autonomer Fahrzeuge. Wenn Autos miteinander kommunizieren, können sie wie Schwärme die Energien schonen und die Vorteile nutzen. Staus werden deutlich verringert. Würden die Autos/Busse nur noch elektrisch fahren, könnte man die Fahrzeugemissionen um über 50 Prozent senken.

Nachhaltig wird das autonome Fahren aber nur für das Verkehrsunternehmen, wenn neben den Umweltgesichtspunkten auch die Nachhaltigkeit für die Mitarbeiter und deren Entwicklung betrachtet wird. D.h. welche Tätigkeit werden die Fahrer / Fahrzeugführer künftig übernehmen, wenn die bisherige Aufgabe wegfällt? Hier ist das Unternehmen mit seiner Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern gefordert, Perspektiven aufzuzeigen.

Wirtschaftlichkeit

Basierend auf der Einsparung von Energie / Treibstoff, weniger Staus etc., lassen sich wirtschaftliche Effekte errechnen, denen natürlich auch hohe Investitionskosten für die Anschaffung neuer Fahrzeuge und weiterer Infrastruktur gegenüberstehen. Das fahrerlose Fahren ermöglicht außerdem erstmalig „automatisierte Leerfahrten“, bei denen ein Fahrzeug auch ohne Fahrer bewegt werden kann, was bisher nach konventioneller Technologie nicht möglich war. Hervorgerufen durch die Einsparung eines Fahrzeugführers und der damit verbundenen Kosten ergeben sich Rationalisierungseffekte im Mobilitätssektor. Demgegenüber stehen aber auch Kosten für Umschulungen der Fahrer u.ä.

Resilienz

Wenn man im Rahmen des autonomen Fahrens die Resilienz eines Verkehrsunternehmens betrachtet, so ist es vor allem die Ausfallwahrscheinlichkeit von Fahrern, die durch autonomes Fahren entfällt und damit eine Risikominimierung darstellt (da die Ausfallwahrscheinlichkeit der Technik geringer ist). Zu beachten sind dabei natürlich die in der Dimension Nachhaltigkeit geschilderten verantwortungsvollen Folgeaktivitäten.

Betrachtet man nun die drei Kriterien des Spannungsdreiecks, so kann man für einen Vergleich mit anderen Lösungen zur Digitalisierung, diese Kriterien für Empfehlungen heranziehen. Sicherlich sind je nach Unternehmenskontext noch weitere Fakten und Argumente je Kriterium zu finden.

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Die Digitalisierung prägt Wirtschaftsprozesse und Arbeitsbedingungen. Dies bietet vielfältige Chancen für Unternehmen und die Beschäftigten. Andererseits sind digitale Prozesse und die digitale Transformation unausweichlich mit Restrukturierungen sowie Veränderungen der Arbeitsprozesse und Arbeitsbedingungen verbunden. Ängste, Sorgen und Befürchtungen der Beschäftigten werden durch Arbeitsplatz substituierende Roboter, Crowdsourcing von Aufträgen, Anstieg der Anforderungen durch Arbeitsverdichtung, Komplexitätszuwachs oder steigende Multitasking-Anforderungen hervorgerufen. Um die Risiken für Beschäftigte zu minimieren, ist es für Unternehmen von großer Bedeutung, sich kontinuierlich Gedanken über die Digitalisierungsprozesse zu machen. Es ist wichtig zu erkennen, welche Handlungs- und Gestaltungsoptionen das Unternehmen hat, um die digitale Transformation nicht nur zu einem wirtschaftlichen Erfolg zu machen, sondern gleichzeitig weniger störanfällig (resilienter) für äußere Einflüsse und damit nachhaltig für die Zukunft zu gestalten.

Wie heißt das Format „Digital-Radar“ bei Ihnen?

Für den Jungen, der versucht hat in seinem Bilderbuch die Zeichnung mit einem Fingerwisch zu vergrößern, war das eine ganz normale Handbewegung aus dem Alltag. Wie sich zeigt, ist das nur der Anfang digitaler Verhaltensweisen, die sich sukzessive etablieren werden.

 

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