Chief Digital Officer – aus der Serie: CDO als Teil des TEAMS – oder: TOLL, EIN ANDERER MACHT`S

19. September 2016 Digitalisierung Katharina Meiler


Chief Digital Officer – Erster Eintrag in Wikipedia am 31.12.2013: „ A Chief Digital Officer (CDO) is an individual who helps a company drive growth by converting traditional "analog" businesses to digital ones, and oversees operations in the rapidly-changing digital sectors like mobile applications, social media and related applications, virtual goods, as well as "wild" web-based information management and marketing. …“

Chief Digital Officer – Aktueller Eintrag in Wikipedia am 22.08.2016: „Ein Chief Digital Officer (CDO) ist eine Person, die einem Unternehmen, einer Regierungsorganisation oder einer Stadt zu Wachstum verhilft, indem sie die Umwandlung von traditionellen, "analogen" Unternehmen zu digitalen bzw. E-Businesses führt. Er kümmert sich somit um die Digitale Transformation und ist um handlungsfähig zu sein, Teil des Vorstandes. …“

Worin liegt die Veränderung der Definition eines Chief Digital Officers (CDO) und damit der Diskussion der letzten wenigen Jahre? Betrachtet man die Wikipedia-Definitionen 2013 und 2016 wurde die Aufgabe des CDO ausgeweitet: vom digitalen Wachstum zur digitalen Transformation. Aber ist diese tatsächlich Aufgabe einer Person, eines Vorstandsbereiches? Nun, seit es die Digitalisierung mit Ende 2015/Anfang 2016 in nahezu jede Ausgabe eines Online- oder Printmediums geschafft hat, sind auch die Diskussion und damit der Run auf die neuen Vorstandsposten in mittelgroßen bis großen Unternehmen explodiert. Was genau soll aber die Aufgabe des neuen Vorstandspostens sein? Sicherlich braucht es einer treibenden Kraft in den Unternehmen, die vielfältigen Herausforderungen der digitalen Welt im Unternehmen zu bündeln, neue Produkte und Dienstleistungen, ja sogar Veränderungen in der Wertschöpfungskette umzusetzen, sich dabei auch noch mit starken und innovativen Partnern zu vernetzen und nebenbei bewusst das sagenumwobene interdisziplinäre „Um die Ecke“-Denken zu fördern, bis dahin, sogar das ganze Unternehmen auf den Kopf zu stellen und moderne Arbeitsweisen und -welten zuzulassen. Die Aufgaben sind vielfältig. Sicherlich sind das Aufgaben, die auch eine klare Fokussierung und operative Maßnahmenplanung und -umsetzung erfordern, ebenso wie ein gewisses Maß an Freidenkertum. Und die Etablierung eines CDO sichert zumindest die dauerhafte Verankerung der genannten Aufgaben im Unternehmen, in der klaren Unternehmensausrichtung.

Sind dies jedoch nicht alles Aufgaben, die dem klaren Geschäftszweck und allen heute bestehenden Unternehmensbereichen zuzuordnen sind? Warum wird diese Aufgabe mit dem gewichtigen Wort „Digitale Transformation“, die für viele Branchen eine disruptive Veränderung ihres Geschäftszwecks bedeutet, bei vielen Unternehmen aber mindestens Anpassungen in der Wertschöpfungskette zur Folge haben wird, auf einen eigenen Vorstandsposten abgeschoben? Warum wird die Aufgabe nicht ganz oben, bei den heutigen Unternehmenslenkern verankert? Sind die Aufgaben denn noch so weit weg, dass man sie - zumindest organisatorisch so aufgesetzt - wie aus der klassischen Strategielehre kommend, als riskante oder auch anderen Prinzipien unterliegende, substituierende Produkte, neben dem heutigen Business vorbereiten lassen muss?

Aus unserer Sicht ist die Digitalisierung ein Teil der aktuellen Unternehmensstrategie und damit auch Teil der Strategielandkarte und Aufgabe des Gesamtunternehmens und wirkt heute bereits auf die Ziele und Maßnahmen – sowohl als Inkubator für heutige Ziele als auch mit all seinen Risiken im teils neuen Wettbewerbsumfeld. Daher sollte auch ein klarer Fokus und auch eine Verbindung der neuen Welten mit dem heutigen Unternehmensumfeld hergestellt werden – der Schlüssel dazu liegt in einem kontinuierlichen Prozess, der es ermöglicht, neben dem oftmals schon bestehendem Trendradar auch digitale Veränderungen zu erkennen, für sich zu bewerten und in die Umsetzung zu bringen.